Nach welchen Kriterien sollte der Personalentwickler ausgewählt werden?
Es gibt kein einheitlich bestimmbares Berufsbild Personalentwickler. Zwar existieren Studiengänge im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie mit dem Schwerpunkt Personalentwicklung, auch gibt es Weiterbildungsangebote an Hochschulen mit dem Ziel, Graduierte verschiedenster sozial- und geisteswissenschaftlicher Fachrichtungen in der Entwicklung eines Kompetenzprofils für Personalentwickler zu fördern, aber als Personalentwickler gilt im Allgemeinen derjenige, der in einem Unternehmen die entsprechende Funktion ausfüllt: Personalentwickler ist der Stelleninhaber. Mithin finden sich in diesen Funktionen Juristen, Pädagogen, Ingenieure, Soziologen, Lehrer, Psychologen und andere Berufgruppen. Das fehlende Berufsbild macht die Auswahl für einen Verbund nicht leicht, denn welche Kriterien sollen letztlich über die Auswahl entscheiden?
Das Arbeitsfeld eines Personalentwicklers in einem Verbund aus mehreren KMU ist weniger eng umschreibbar als dasjenige in einem Großunternehmen. Nach unseren Erfahrungen geht es grundsätzlich um folgende Aufgaben:
- Erhebung des Weiterbildungsbedarfs auf Basis der Unternehmensziele
- Konzeption, Veranlassung oder Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen
- Entwicklung und Coaching von Mitarbeitern und Führungskräften
- systematische und gezielte Personalauswahl durch geeignete Verfahren (Potenzialanalysen)
- Mitarbeit bei Organisationsentwicklungsprozessen
- Moderation und Steuerung verschiedenster Gruppen und Themen
- Beratung
Es handelt sich also um ein vielfältiges Tätigkeitsfeld innerhalb des Bereichs der Personal- und Organisationsentwicklung, welches von einem Personalentwickler in einem Unternehmens-Verbund zu bewältigen ist. Er hat dabei zusätzlich immer auch den Bedarf der anderen Unternehmen des Verbundes im Auge, muss für den Transfer von Know-how sorgen, Maßnahmen bedarfsgerecht bündeln und für mehrere Unternehmen anbieten. Das beinhaltet eine zusätzlich Herausforderung.
Vor diesem Hintergrund muss bei der Auswahl des Personalentwicklers auf mehrere Aspekte geachtet werden:
- Der Personalentwickler muss über konzeptionelle und instrumentelle Erfahrungen im Feld Personalentwicklung verfügen, die er als angestellter Mitarbeiter oder als Berater im Bereich der Organisations- und Personalentwicklung erworben haben kann.
- Als Spinne im Netz verschiedener Unternehmen besitzt er kommunikatives Geschick und hohe soziale Kompetenz. Hinzu kommen methodische Kenntnisse für die Bewältigung unterschiedlicher Situationen:
- Immer wieder wird es Anlässe geben, Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen zu beschleunigen, Gespräche zu arrangieren, Konsens herzustellen oder Mehrheitsentscheidungen tragfähig zu gestalten.
- Die Moderation und Gestaltung unterschiedlichster Gruppenprozesse verlangt gruppendynamische Kenntnisse und Erfahrungen mit der Moderation von Gruppen.
- Im Zusammenhang mit Coaching-Maßnahmen geht es um die Fähigkeit, Kontakt herzustellen und die betreffenden Mitarbeiter zur Arbeit an ihrem eigenen Profil zu gewinnen.
- Als Berater sollte er Kenntnisse in der Theorie und Praxis der Organisationsentwicklung haben.
- Vor allen Dingen muss es ihm gelingen, Mitarbeiter für die Veränderungen zu gewinnen und mit Widerständen angemessen umzugehen.
- Der für den Verbund von KMU geeignete Personalentwickler sollte über Erfahrungen mit den Besonderheiten von KMU verfügen.
Auch wenn der hier skizzierte Mensch das Bild einer eierlegenden Wollmilchsau heraufbeschwört, so ist es doch genau dieser Generalist mit Spezialkenntnissen, der benötigt wird und der nicht leicht zu bekommen ist.
Da von der Auswahl des geeigneten Profis für den Zusammenhalt des Verbundes viel abhängt - er personifiziert die Schnittstelle zwischen allen Beteiligten und ist ein bestimmender Erfolgsfaktor -, muss jedoch vor allen Dingen die Chemie stimmen. Deshalb darf es nicht die Sache der initiierenden Organisation allein sein, den Bewerber auszuwählen. Es kann nur die Sache aller Beteiligten sein, diese Entscheidung zu treffen. Und sie sollte im Konsens getroffen werden. Deshalb muss eine Vorstellungsrunde unbedingt vor allen Entscheidungsträgern erfolgen. Sie müssen die Möglichkeit haben, aus ihrer Sicht relevante Fragen stellen zu können und ihre persönliche Entscheidung von den gewonnenen Eindrücken abhängig zu machen.
|