WeReo-Erfahrungsberichte
Die
Firma Werner Schranksysteme
In
welcher Branche ist das Unternehmen tätig?
Das
mittelständische Familienunternehmen Werner
Schranksysteme ist in der Büromöbelindustriebranche
tätig. Es stellt seit 40 Jahren Holzjalousieschränke für
Büros her.
Welches
Problem sollte mit der Reorganisationsmaßnahme gelöst
werden?
Nach
dem Ausscheiden des Gründers 1986 geriet das Unternehmen in die
Krise, die durch einen Fremdgeschäftsführer noch vergrößert
wurde. Grund war eine Überalterung des Betriebs: Das Unternehmen
war in allen Aspekten (Produktion, Personen, Maschinen, Software und
Marketing) zehn Jahre hinter der Markaktualität zurück. So
war das Produkt zum Beispiel nicht mehr konkurrenzfähig und der
Mitarbeiterstamm mit dem Betrieb groß und unflexibel geworden.
Dieser Rückstand musste aufgeholt und das Unternehmen
zukunftsfähig gemacht werden. Und das Ganze in relativ kurzen
Zeit und einer Situation, in der die Umsätze sich branchenweit
um fast die Hälfte verringerten.
1992
übernimmt der Gründerenkel die Geschäftsführung.
Sein aus der Perspektive der Mitarbeiter im Vergleich zum Verhalten
des Großvaters moderne, als kalt empfundene Stil, verbunden mit
den durch ihn repräsentierten neuen Anforderungen, löste
heftige Verunsicherungen im Betrieb aus.
Welche
Veränderungen sind vorgenommen worden?
Die
Veränderungen waren getragen von der Vision, dass moderne Büros
sich zu multifunktionalen Kommunikationszentren entwickeln, in denen
projektbezogen an wechselnden Orten gearbeitet wird. Da die Struktur
der Produktion für das daraus resultierende Wachstum an
Sonderfertigungen nicht hinreichend ausgebildet war, wurde die
Produktion umgestellt.
Auch
die organisationsinterne Kommunikation war den Umweltanforderungen
anzupassen. Die herrschende hierarchische Organisationsstruktur
funktioniert in der turbulenten Unternehmensumwelt nicht, weil sie
den Informationsfluss über zu lange Wege leitet und schnelles
Reagieren unmöglich macht. Daher wurde ein Steuerungsgremium
eingerichtet, in dem sich regelmäßig Mitarbeiter treffen,
die über die für das Unternehmen relevanten Informationen
verfügen.
Welche
Qualifizierungen haben den Reorganisationsprozess begleitet?
Im
Mai 1998 wurde ein Seminar für 18 an maßgeblichen Stellen
beschäftigten Mitarbeitern durchgeführt. Ein wesentliches
Ziel war es, die neue Vision erlebbar zu machen. Das Seminar war ein
Meilenstein in der Erfahrung der Produktivität der neuen
Kommunikationsformen. Nicht nur, dass immer noch vorhandene Schwächen
offen kritisiert wurden, man erlebte auch einen Entwicklungsprozess,
wenn unterschiedliche Ideen und Fähigkeiten sich zu einem
größeren Ganzen verbanden. Offenheit in der internen
Kommunikation wird seitdem als Stärke für die Bewältigung
der Marktanforderungen definiert, auch wenn Konflikte entstehen.
Welche
Ergebnisse sind kurz- oder langfristig erzielt worden? Wie zufrieden
war das Unternehmen mit diesen Ergebnissen?
1997
war das mittlerweile zu werner works umbenannte
Unternehmen nach der nicht unmaßgeblichen Meinung einer
führenden Branchenzeitschrift von einem Produzenten
unintelligenter, unflexibler Kisten zu einem souveränen,
strategisch denkenden, ideenreichen und innovativen
Kreativ-Schränker geworden und als kreative
Ameise im Ärmel der Etablierten aus der Branche nicht mehr
wegzudenken.
Werden
Tipps, Hinweise, Ratschläge für andere Unternehmen gegeben?
Die
Veränderungen sind nach dem Prinzip durchgeführt worden,
mit möglichst wenig Umstellungen an zentralen Stellen der
Organisation einen optimalen Nutzen zu erzielen. Dieses Prinzip
sucht nach möglicherweise blockierten Stellen
organisationsinterner Kommunikation, verändert sparsam und
setzt auf den Faktor Zeit, damit sich die Veränderungen in
ihren Wirkungen langfristig entfalten können und nicht durch
weitere Maßnahmen behindert oder neutralisiert werden. Für
dieses behutsame Vorgehen fehlt es den meisten Unternehmen an
Geduld, weil Führungskräfte schnelle Resultate erwarten
und gerade dadurch große Wirkungen verhindern.
Der
Geschäftsführer war generell bereit, sich selbst der
Kritik und neuem Lernen auszusetzen. Damit war die
Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Organisationsentwicklung
erfüllt, denn jede Reorganisation steht und fällt mit dem
Verhalten der Führung. Reorganisation ist nicht an Berater
delegierbar.
Mit
jedem Eingriff in die Strukturen der Organisation zeigte sich, dass
Probleme nicht nur aufgrund von Schwächen entstehen, sondern
auch weil gelöste Probleme und sich entwickelnde Stärken
Folgeprobleme nach sich ziehen bzw. bisher nicht wahrgenommene
Probleme sichtbar werden. Reorganisation ist somit ein Prozess, der
kontinuierlich zu gestalten ist. Eine Veränderung zieht die
nächste nach sich. Ruhe findet man nur noch in einer
kontinuierlichen Gestaltung des Wandels, die abrupte Eingriffe
abfängt.
Quelle:
Zech, R. (1999). Organisation ist Kommunikation - Beratung auch. Ein
mittelständisches Unternehmen bewältigt den Wandel.
Organisationsentwicklung, 1/99, 16-23.
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