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WeReo-Erfahrungsberichte

Praxisbeispiel: Gebrüder Kufferath, Düren


1. Ausgangssituation


Die Gebrüder Kufferath GmbH in Düren (GKD) ist ein Hersteller von technischen Drahtgeweben, Sieb-, Press- und Transportbändern aus Metall und Kunststoff sowie von Spezialgeweben für dekorative Zwecke. Das Unternehmen hat im Jahre 1992 nach dem Wegfall der Ostmärkte Verluste in Millionenhöhe hinnehmen müssen, von denen es sich in den Folgejahren bis in das Jahr 1995 nur schwer erholen konnte. Es wurden zwar in 1995 erstmals wieder leichte Unternehmensgewinne erzielt, aber dennoch erwartet die Geschäftsführung eine sich weiter verschärfende Wettbewerbssituation. Das Unternehmen beschäftigte in 1995 ca. 350 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 65 Mio. DM.


Um zukünftige marktbedingte Verluste kompensieren zu können, sollte ein Reengineering - Projekt gestartet werden, das die völlige Neugestaltung der Strukturen und relevanten Geschäftsprozesse, sowie der Betriebs-, Arbeits- und Logistikorgani-sation zum Ziel hatte. In diesem Zusammenhang sollten die Bereiche Vertrieb, Entwicklung, Anwendungstechnik und Arbeitsvorbereitung/-Produktionsplanung miteinander verzahnt werden und damit zusammenhängend Aufgabenverlagerung, Aufgabenverdichtung und kundenorientierte Teamarbeit erreicht werden. Darüber hinaus stand die Einführung eines wirkungsvollen und flächendeckenden KVP in den direkten und indirekten Bereichen sowie ein Coaching des erforderlichen Generationswechsels im mittleren Management an.


Aufgrund der gravierenden struktur- und ablauforganisatorischen Veränderungen, die eine Vielzahl von Aufgabenverlagerungen und Anpassungen an das Leistungsprofil der Mitarbeiter mit sich bringen sollte, war zudem eine systematische und den GKD-Anforderungen entsprechende fachliche und überfachliche Qualifizierung auf breiter Front der Belegschaft erforderlich.


2. Aufgaben-/Problemstellung


Die Firma Kufferath konnte in 1994 mit ihrer stark hierarchisch aufgebauten Struktur und damit verbundenen schwerfälligen Abläufen den gestiegenen Anforderungen des Marktes nicht mehr gerecht werden. Insbesondere hinsichtlich der Herstellkosten, Lieferzeiten, Qualität und Anfragenbeantwortung war man den Wettbewerbern zum Teil deutlich unterlegen. Im Rahmen des Quatro-Projektes musste das Unternehmen neu auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet werden. Dazu standen im wesentlichen folgende Schwerpunkte zur Bearbeitung an:


  • Umgestaltung des Unternehmens in Form von kunden- und marktorientierten Geschäftsbereichen (Restrukturierung und Redesign der Hauptprozesse im administrativen Bereich),

  • Neugestaltung eines Planungs- und Controllingsystems, das auf die Bedürfnisse der neuen Geschäftsbereichsorganisation ausgerichtet ist und eine Erfolgskontrolle der Geschäftsbereiche ermöglicht,

  • Qualifizierung und Motivation der Mitarbeiter zur Teilnahme an einer stetigen Optimierung des Unternehmens auf allen Prozessebenen und

  • Umwandlung der stark verrichtungsorientierten Fertigungsorganisation in eine prozessorientierte, effiziente Fertigungsstruktur sowie Gestaltung einer Arbeitsorganisationsform, die die Einbeziehung von Wissen und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auf der ausführenden Ebene ermöglicht.


3. Vorgehensweise


Das Quatro-Projekt gliederte sich entsprechend der oben genannten Schwerpunkte in vier Teilprojekte mit jeweils unterschiedlichen Vorgehensweisen:


1. Business Process Reengineering

2. Neugestaltung des Planungs- und Controllingssystems

3. Einführung des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses

4. Einführung von Gruppenarbeit und -entlohnung in der Produktion


Teilprojekt 1: Business Process Reengineering


Im Rahmen des Business Process Reengineering wurde eine grundlegende Umgestaltung des Unternehmens durchgeführt. Durch die intensive Kooperation mit allen Beteiligten und insbesondere der zukünftigen Prozesseigner (process owner) wurden im wesentlichen folgende Kerninhalte bearbeitet:


  • Detaillierte Erfassung der Ist-Abläufe,

  • Selbstaufschreibung der Ist-Tätigkeiten-/Aufgaben der Mitarbeiter im administrativen Bereich,

  • Analyse der Tätigkeitsaufschreibungen,

  • Ermittlung der Prozesskostentreiber,

  • Herauskristallisation der Haupt- und Nebenprozesse,

  • Gestaltung der zukünftigen Sollabläufe,

  • Aufteilung der Prozesse nach Kunden und Industrien,

  • Entwicklung von Alternativen zur Aufteilung in Geschäftsbereiche und Zuordnung der Haupt- und Nebenprozesse,

  • Zuordnung der Mitarbeiter und Sachmittel zu den gebildeten Geschäftsbereichen und

  • Entwicklung eines Raumkonzeptes.


Die Realisierung der entwickelten Alternativen wurde Anfang 1996 durchgeführt. Die Feinoptimierung der neu geschaffenen Strukturen und Prozesse erfolgte dann im Verlauf des Jahres 1996.


Teilprojekt 2: Neugestaltung des Planungs- und Controllingsystems


Das bei GKD vorhandene Planungs- und Controllingsystem war zum Start des Projektes unvollständig und ein Abbild der alten Unternehmensstrukturen. Insbesondere in der Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung wies die vorhandene Systematik zum Teil einen erheblichen Ungenauigkeitsgrad und wenig Bezug auf die neue Geschäftsbereichsorganisation auf. Die Nachkalkulation der Produkte war durch einen hohen manuellen Bearbeitungsaufwand geprägt und eine Deckungsbeitragsrechnung wurde nicht durchgeführt.


Diese Problemfelder wurde durch die intensive Arbeit eines Projektteams, bestehend aus Mitarbeitern der Finanzbuchhaltung, des Controllings, einem oder mehreren Vertretern der Geschäftsbereiche und den Beratern, angegangen. Ziel des Teilprojektes war es, ein neues Ergebnis-, Planungs- und Controllingsystem auf PC-Basis mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, wie z. B.


  • Grobplanung (für Absatz, Betriebsleistung, Bestände und Personal) zur schnellen Diagnose,

  • detaillierte Feinplanung,

  • Soll-Ist-Vergleich nach Kostenstellen und Geschäftsbereichen,

  • Konsolidierung der drei Geschäftsbereiche,

  • Krisenfrüherkennung,

  • Break-Even-Analyse,

  • Artikelergebnisrechnung- und nachkalkulation und

  • innerbetriebliche Leistungsverrechnung


aufzubauen. Darüber hinaus sollte das neue System als Basis für eine stärkere Kostenverantwortung auf Mitarbeiterebene dienen.


Überarbeitung der Kostenstellenrechnung

In der ersten Phase des Teilprojektes wurde zunächst die Kostenstellenstruktur überarbeitet und auf die Geschäftsbereichsorganisation angepasst. Dabei wurden beispielsweise frühere Gemeinkostenstellen des Vertriebs und der Verwaltung, die auf das Gesamtunternehmen ausgerichtet waren, nach Geschäftsbereichen aufgeteilt. Zusätzlich wurde für die Fertigungskostenstellen eine Aufteilung in Leitungs- und Ausführungskostenstellen durchgeführt, so dass eine exaktere Verrechnung von Gemeinkostenanteilen möglich wurde. Aufgrund der fehlenden Planung und Kontrolle der Kosten in den verschiedenen Kostenstellen war sowohl die Überprüfung der Einhaltung von Kostenzielen durch die Unternehmensleitung als auch die Übernahme von Kostenverantwortung durch die Kostenstellenleiter nicht möglich. Auf der Ebene der Sammelkostenstellen und der Geschäftsbereiche wurde eine monatliche Soll-Ist-Vergleichsrechnung mit einer detaillierten Darstellung von variablen und fixen Kostenbestandteilen zur Ermittlung von Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichungen konzipiert und eingeführt. Dazu musste im Vorfeld eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung der Fixkosten aus den Hilfs- und Verwaltungskostenstellen der jeweiligen Geschäftsbereiche auf die proportionalen oder fixen Kosten der Fertigungskostenstellen aufgebaut werden.


Überarbeitung der Kostenträgerrechnung

In einem zweiten Schritt des Projektes wurde die Kostenträgerrechnung, d. h. im speziellen die Vor- und Nachkalkulation, bei GKD überarbeitet. Bei der Vorkalkulation konnten in Abhängigkeit der Produkte in der Vergangenheit nur unterschiedliche Genauigkeitsgrade erreicht werden. Lediglich bei Geweben konnte man sich auf detaillierte Stücklisten und Arbeitspläne stützen. Bei Konfektionsartikeln und bei Bändern waren derartige Informationen nicht oder nur zum Teil vorhanden. Zur Verbesserung der zukünftigen Vorkalkulation von Konfektionsartikeln wurde die Aufschreibungssystematik in eine personenbezogene Aufschreibung geändert, um insbesondere die Genauigkeit der Datengrundlage durch eine Verringerung der sogenannten nicht nachgewiesenen Zeiten zu erhöhen. Im Bereich der Bänder wurden in einem Arbeitsteam die Fertigungsabläufe neu aufgenommen und Arbeitsgänge definiert. Durch die anschließende Einführung einer arbeitsgangbezogenen Aufschreibung wurde die Ermittlung von Vorgabewerten ermöglicht, die gemeinsam mit dem sukzessiven Aufbau einer Stückliste die Datengrundlage für die Vorkalkulation von Bändern verbesserte.


Hauptproblem in der Nachkalkulation der Produkte war der fehlende, systemunterstützte Vergleich zwischen Vor- und Nachkalkulation. Kalkulationsabweichungen, die auf eventuelle Planungsfehler hinwiesen, konnten nur mit erheblichem manuellen Aufwand ermittelt werden. Zur Erhöhung der Aussagekraft der Nachkalkulation wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:


  • automatischer Vergleich zwischen Vor- und Nachkalkulation bei Geweben,

  • weitgehende kommissions-/auftragsbezogene Verbuchung der Material- und Lohnkosten,

  • rollen- bzw. fabrikationsbezogene Verbuchung von Nebentätigkeiten (z. B. bei Bereitstellung von Kämmen),

  • Wechsel von einer auftragsbezogenen zu einer personenbezogenen Aufschreibung in der Streifenfertigung (Pilotbereich) und

  • Einführung von arbeitsgangbezogenen Aufschreibungen (für Metallbänder sogar kommissionsbezogen) mit anschließender kommissionsbezogener Verrechnung.


Einführung einer Deckungsbeitragsrechnung

Durch die neue Aufteilung der Kosten in seine variablen und fixen Bestandteile sowie der Differenzierung der fixen Kosten in Fixkosten des Produktes, Fixkosten des Geschäftsbereiches und Fixkosten des Unternehmens ermöglichte das bei GKD geschaffene Controllingsystem eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung.


Durch die dargestellte Systematik kann eine Erfolgsrechnung auf verschiedenen Aggregationsebenen durchgeführt werden:


  • Ebene des Gesamtunternehmens,

  • Ebene der Geschäftsbereiche und

  • Ebene des Produktes.


Unterstützt durch ein entsprechend aufgebautes Berichtswesen wurde somit bei GKD ein zielgerichtetes Controlling vom Gesamtunternehmen bis hin zum Einzelprodukt erreicht.


Teilprojekt 3: Einführung des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP)


Der erste Schritt in diesem Teilprojekt bestand zunächst aus der Definition einer einheitlichen Zielstellung für die Einführung des KVP bei Kufferath. Nach der Durchführung eines Business Process Reengineering auf der Ebene der Haupt- und Teilprozesse sowie der Zertifizierung nach DIN ISO 9001 in Verbindung mit dem Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagements stellte der KVP einen weiteren Baustein auf dem Weg zu einer selbstlernenden Organisation dar. Durch die Einführung von KVP sollten folgende Ziele erreicht werden:


  • Weiterentwicklung von Problemerkennungs- und lösungsfähigkeiten bei den Mitarbeitern durch spezielle Methodenschulungen,

  • Sensibilisierung und Steigerung des Qualitäts- und Kostenbewusstseins,

  • Organisation eines flächendeckenden KVP vor Ort,

  • Optimierung der Teilprozesse auf Mitarbeiterebene,

  • Erhöhung von Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft bei einem großen Teil der Mitarbeiter und

  • Verbesserung der intrinsischen Motivation bei möglichst vielen Mitarbeitern.


Im Rahmen einer kurzen Bestandsaufnahme wurden die wesentlichen Ansatzpunkte für mögliche KVP-Maßnahmen ermittelt, die von den zukünftigen Moderatoren in KVP-Projekten oder Mitarbeiterkreisen bearbeitet werden sollten. Darüber hinaus diente diese Phase des Projektes den Moderatorentrainern zum intensiven Kennenlernen der relevanten Merkmale in der Produktion und ihren peripheren Bereichen. Dies war eine unabdingbare Voraussetzung, um in den Informations- und Schulungsveranstaltungen das notwendige Vertrauen und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern aufbauen zu können.


Vor dem Hintergrund der personellen und qualifikationsbedingten Gegebenheiten bei Kufferath wurden dann Schulungs- und Personalentwicklungsbedarfe für den KVP abgeleitet. Anschließend wurden Lernziele, Lerninhalte, Zeitbedarfe und Vortragsinhalte für die Qualifizierung der Moderatoren und Führungskräfte ausgewählt oder neu entwickelt und mit den Verantwortlichen abgestimmt. Mit dem umfangreichen Informations- und Qualifizierungsprogramm zum KVP konnte dann Ende Oktober 96 begonnen werden.


Mit der eigentlichen KVP-Arbeit begannen die Moderatoren zum Start des neuen Jahres. Zur Unterstützung wurden für jeden KVP-Bereich Tafeln aufgestellt und für ein visuelles Management vorbereitet. Die Moderatoren wurden in der Bearbeitung ihrer ersten Themenstellungen von der Unternehmensführung und den Beratern betreut. Nach einem halben Jahr wurden in einem ersten Erfahrungsaustausch zwischen den Moderatoren die Grundlagen des KVP nochmals aufgefrischt, Probleme bei der KVP-Arbeit diskutiert und Lösungen erarbeitet.


Teilprojekt 4: Einführung von Gruppenarbeit und -entlohnung


Zu Beginn dieses Teilprojektes wurden in einem übergeordneten Projektteam die Ziele für die Einführung von Gruppenarbeit, die Segmentierung der Fertigung sowie drei Pilotgruppen in jedem Geschäftsbereich definiert. Für jede Pilotgruppe wurde dann ein Arbeitsteam zusammengestellt, das in gleicher Weise Unternehmensführung, Betriebsrat und die Mitarbeiter an der Ausarbeitung von gruppenspezifischen Detailkonzeptionen beteiligt.


Einem mit allen Verantwortlichen im Unternehmen verbindlich abgestimmten Grundkonzept zur Gruppenarbeit kommt besondere Bedeutung zu, da die möglicherweise unterschiedlichen Interessen und Zielsetzungen von Unternehmensleitung und Betriebsrat zu einem Konsens zusammengeführt werden müssen. In einer ersten Entscheidungsstufe wurde daher ein Konsens über die Leitmotive der Einführung (wirtschaftliche und soziale Zielsetzung) und die zukünftigen Aufgaben-, Kompetenz- und Verantwortungsverteilungen zwischen Gruppe, Gruppensprecher, Meister und Vorarbeiter in jedem Arbeitsteam herbeigeführt. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise geklärt, wie mit in der Gruppe erzielten Produktivitätsverbesserungen umgegangen werden soll (Kompensation durch Umsatzanstieg, weitere Aufgabenanreicherung der Gruppe, Versetzung, Personalabbau, etc.) oder welche Qualifikation bei den Mitarbeitern erreicht werden soll und kann.


Zur Festlegung der zukünftigen Gruppenarbeitsinhalte wurden die direkten Arbeitsinhalte definiert, Arbeitsergebnisse bzw. Leistung der Gruppen bestimmt, indirekte Tätigkeiten aufgenommen, Verlagerungsmöglichkeiten von Arbeitsinhalten überprüft und Ausbildungsanforderungen aufgenommen. Auf der Basis teilautonomer bzw. autonomer Arbeitsbereiche und des Gruppenarbeitskonzeptes wurde darüber hinaus ein spezifisches Steuerungskonzept für jede Pilotgruppe erarbeitet.


Nachdem in jedem Arbeitsteam die zukünftigen Aufgabeninhalte der Gruppen festgelegt waren, konnte in Abhängigkeit der vorhandenen Mitarbeiter der fachliche Qualifikationsbedarf ermittelt werden. Die den Pilotgruppen zugeordneten Betreuer konnten unmittelbar mit der Erarbeitung von Schulungsplänen beginnen, um die Gruppen auf ihre neuen Aufgaben vorbereiten zu können.


In einem letzten konzeptionellen Schritt vor Start der Gruppenarbeit in den Pilotgruppen stand die Entwicklung eines der neuen Arbeitsorganisationsform gerecht werdenden Entlohnungssystems an. Voraussetzung für die Konzeption eines neuen Lohn- und Anreizsystems ist die Definition von Lohnaufbau und Entlohnungsverfahren. Zusätzlich mussten in Abhängigkeit der jeweiligen Pilotgruppen die Voraussetzungen für den Aufbau der Vorgabewerte geschaffen werden. Dabei war für alle Beteiligten von besonderer Bedeutung, dass die zu installierenden Verfahren für die Mitarbeiter leicht zu handhaben und in ihrer Wirkungsweise leicht nachzuvollziehen sind. In den Arbeitsteams wurden folgende Aufgaben bearbeitet:


  • Bestimmung des Lohnaufbaus (Lohngruppen, Lohnarten, Zulagen),

  • Festlegung des Anreiz-/Prämienfaktoren (Menge/Qualität, ...),

  • Bestimmung der Lohnform,

  • Festlegung der Ausgangswerte für Leistung und Lohn,

  • Festlegung eines Verfahrens für Leistungsvorgaben,

  • Aufbau von Leistungs-/Lohnkurven oder -tabellen,

  • Festlegung von Abrechnungsverfahren (Belege, Abrechnungszeiträume, ...),

  • Durchführung von Schattenrechnungen und

  • Klärung der DV-Schnittstellen und Abrechnungsprogramme.


Für alle drei Pilotgruppen konnte am Ende der Entlohnungsdiskussion ein nahezu einheitliches Grundmodell gefunden werden. In der Prämiendefinition wurden gruppenspezifische Lösungen erarbeitet, die bei der Einführung von weiteren, ähnlich strukturierten Gruppen (z. B. in den Webereien) übertragen werden können.


4. Qualifizierungs- und Motivationsprogramm


Die erfolgreiche Durchführung der oben dargestellten Projekte war nur durch eine erhebliche Veränderung im Bewusstsein und in den Köpfen der Mitarbeiter auf allen hierarchischen Ebenen möglich. Jeder Einzelne im Unternehmen sollte sich zu einem unternehmerisch denkenden und auch handelnden Mitarbeiter entwickeln. GKD ist zur Erreichung dieses Zieles in Abhängigkeit des Projektes unterschiedliche Wege gegangen.


Im Rahmen des Business Process Reengineering wurden alle Mitarbeiter in den administrativen Bereichen nach dem Modell der sogenannten ”runden Tische” in die Neugestaltung der Prozesse und Strukturen aktiv eingebunden. Die Mitarbeiter waren damit nicht nur Betroffene sondern Beteiligte im Rahmen der Umstrukturierungsmaßnahmen. In interfunktionalen Teams aus allen hierarchischen Ebenen des Unternehmens konnten sie lernen, dass eine optimale bereichs- oder abteilungsbezogene Arbeitsweise nicht zwangsläufig die optimale im Sinne des gesamten Prozesses sein muss. Gemeinsam wurden auf Basis der bestehenden Arbeitsabläufe Zielabläufe definiert und umgesetzt.


Im Teilprojekt Neugestaltung eines Planungs- und Controllingsystems wurde in Anlehnung an die positiven Erfahrungen mit dem Prinzip der ”Runden Tische” aus dem Reengineering-Projekt ein interdisziplinäres Team zusammengestellt. Unter der Anleitung der Berater wurde eine Optimierung beziehungsweise ein Ausbau der bestehenden Systematik im Team entwickelt. Alle zukünftigen Kostenstellenverantwortlichen, insbesondere auf der Meisterebene, wurden innerhalb ihrer jeweiligen Geschäftsbereiche bezüglich Zielsetzung, Bedeutung und Handhabung der Soll-Ist-Vergleichsrechnung qualifiziert.


Der kontinuierliche Verbesserungsprozess wurde mit einem umfangreichen Informations- und Qualifizierungsprogramm (siehe Abbildung) vorbereitet.


Das Informations- und Schulungsprogramm startete mit einem halbtägigen Workshop für alle Führungskräfte des Unternehmens (ab Meisterebene). In dieser Veranstaltung wurden die wesentliche Merkmale des KVP vermittelt und die Führungskräfte auf ihre neue Rolle vorbereitet. Im Rahmen der darauffolgenden Betriebsversammlung wurden alle Mitarbeiter über Ziel und Inhalt des KVP sowie über die Aufgaben eines Moderators informiert (Kick-Off-Veranstaltung). Jeder Mitarbeiter hatte dann die Möglichkeit, sich für die Teilnahme an den Moderatorenschulungen zu bewerben. Personalabteilung und Betriebsrat haben schließlich entsprechend der mit dieser Aufgabe verbundenen Anforderungen die Teilnehmer festgelegt. In dreitägigen Basis-Schulungen wurden ca. 30 Moderatoren auf ihre Aufgaben im kontinuierlichen Verbesserungsprozess vorbereitet und zum Abschluss der Veranstaltung mit Aufgabenstellungen für die ersten Mitarbeiterkreise betraut. Im Vordergrund der Schulungen standen folgenden Themenstellungen:


  • Unternehmens- und Wettbewerbssituation,

  • Kontinuierlicher Verbesserungsprozess,

  • KVP-Arbeitsmittel,

  • Wertschöpfung und Verschwendung,

  • Qualität,

  • Sicherer arbeiten,

  • Grundlagen der Moderation,

  • Kreativitätstechniken,

  • Problemlösungstechniken,

  • KVP-Tafeln gestalten und

  • Arbeitsbereiche optimal gestalten.


Beim Teilprojekt ”Einführung von Gruppenarbeit” wurden die Mitarbeiter auf verschiedene Arten integriert. Zum einen hatte jede Pilotgruppe einen oder mehrere Vertreter in das Projektteam entsandt, um aktiv an der Gestaltung der zukünftigen Soll-Arbeitsabläufe und Verteilung von Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung mitzuwirken. Zum anderen wurden alle Gruppenmitglieder durch die Geschäftsbereiche in vielen Gesprächen über die Ziele und Grundsätze der Gruppenarbeit und Gruppenentlohnung innerhalb der Geschäftsbereiche informiert.


5. Ergebnisse des Projektes


Mit dem Quatro-Projekt und den daraus resultierenden ablauf- und aufbauorganisatorischen Veränderungen für das Unternehmen konnte GKD folgende, herausragende Ergebnisse erzielen:


  • Erreichung des Turnaround in 1996,

  • Aufbau und Förderung eines neuen innovativen Geschäftsbereiches Architekturgewebe und Design (Verleihung des Stahlinnovationspreis),

  • höhere Motivation der Mitarbeiter in den administrativen und produktiven Bereichen durch größere Handlungs- und Entscheidungsspielräume,

  • Veränderung des Mitarbeiterbewusstseins hin zu stärker unternehmerisch denkenden und handelnden Mitarbeitern auf allen hierarchischen Ebenen,

  • wachsende Beteiligung der Mitarbeiter an der permanenten aktiven Umgestaltung und Verbesserung des Unternehmens (selbstlernende Organisation) und

  • höhere Transparenz von Kosten und intensive Nutzung der neu geschaffenen Instrumente des Planungs- und Controllingsystems.



Quelle (CD-ROM): QUATRO & ADAPT. Projekte und Ergebnisse. Hrsg. Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung gGmbH, Bottrop. 2. Update Dezember 1999.

 
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