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WeReo-Infobriefe

Wissen und Lernen - Lernhindernisse aus unterschiedlichen Perspektiven: Initiatoren, Projektteam, Belegschaft

SpäNeuens wenn die ersten Maßnahmen für ein Veränderungsprojekt ins Leben gerufen werden, zeigt sich oft, dass das Verständnis über deren Ziel und Zweck weit auseinander liegt. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass gemeinsam verabschiedete Absichtserklärungen die Handlungen von Belegschaft, Betriebsrat und Unternehmensleitung in eine Richtung lenken. Auch schriftlich formulierte Ziele werden von Vertretern unterschiedlicher Interessen sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Die mit der Veränderung beauftragten Gestalter - in der Regel ein aus Organisationsmitgliedern zusammengesetztes Projektteam - müssen beispielsweise sehr schnell erkennen, dass:

- die vom Auftraggeber bereitgestellten Ressourcen (zeitlich, finanziell) im Widerspruch stehen zu den hohen Zielsetzungen. Das Motto lautet »Verändern, aber ohne zusätzlichen Aufwand«,
- Kurzfristiges Kostendenken überlagert dabei die langfristig durch bessere Abläufe anvisierten Einsparungen,
- sie selber nur wenig Zeit haben, neben dem Tagesgeschäft ein aufwendiges Projekt verantwortungsvoll zu begleiten,
- die Einarbeitung in neue Themenfelder (wie »Mitarbeiterorientierung«, »wandelndes Führungsverständnis«) erforderlich ist,
- Fortschritte in Lern- und Veränderungsprojekten schwerer zu messen sind als in technischen Projekten,
- man schließlich keine Erfahrungen mit derartigen Veränderungsprojekten hat und mit Entscheidungen konfrontiert wird, die eine neue zeitliche und inhaltliche Dimension bedeuten.

Der Mitarbeiter bringt im Gegensatz dazu folgendes zum Ausdruck: Keine Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen: Warum wird Bewährtes in Frage gestellt? Was bringt das Neue mir und dem Unternehmen? Unverständnis für die zur Zielerreichung eingesetzten Mittel: Wie will man auf diesem Wege erfolgreicher werden? Unzufriedenheit über die durch Veränderungen herbeigeführten zusätzlichen Belastungen: Wie soll man im Chaos der Veränderungen seiner eigentlichen und wertschöpfenden Tätigkeit noch nachkommen?

Damit die Initiatoren des Lern- und Veränderungsprozesses und die Belegschaft nicht bald anfangen, sich gegenseitig den Schwarzen Peter für die Lernhindernisse zuzuschieben, muß in bezug auf das Projektteam vorab geklärt werden: - Welches Verständnis besteht über Rollen und Aufgaben des Projektteams? - Wie nehmen alle Mitglieder die Ausgangssituation wahr? - Wie beschreibt jedes einzelne Mitglied seine Vision vom »veränderten Unternehmen«? - Welche Strategie soll verfolgt werden, um die gesetzten Ziele zu erreichen? - Welche Befürchtungen haben die Mitglieder des Projektteams in bezug auf die geplante Veränderung (z.B. zur Verfügung stehende Zeit, fachliche Unterstützung, ausreichende finanzielle Ressourcen, Durchführbarkeit von Maßnahmen)?

Ebenso müssen die Initiatoren den Dialog mit den Mitarbeitern suchen. Die Ein-Weg-Großveranstaltung vor der gesamten Belegschaft kann nur der Auftakt zur Gesprächseröffnung sein. Der Königsweg besteht im persönlichen Gespräch zwischen Initiatoren einerseits und Mitarbeitern andererseits. Ziel dieses Dialogs ist es, ein gemeinsames Bild vom zukünftigen Unternehmen zu formulieren und zu konkretisieren. Inhalt des Gesprächs mit den Mitarbeitern muß sein:

- Wie und wann werden die Mitarbeiter konkret an ihrem Arbeitsplatz von der Veränderung betroffen sein?
- In welcher Form werden sie die Veränderung tatsächlich mitgestalten
- was wird von ihnen erwartet?
- Welche Maßnahmen sind aus ihrer Sicht erforderlich, um sie auf die Neuerungen vorzubereiten?
- Was erwartet, was befürchtet die Belegschaft in bezug auf diese Veränderungen?

Trotz aller Vorbereitung und dem Bemühen um Austausch werden Mißverständnisse und Konflikte im laufenden Veränderungsprozess zwangsläufig auftreten. Sie werden nicht in erster Linie von der Veränderung selbst verursacht, sondern von der Art, auf die das Unternehmen bisher mit Problemen umgegangen ist. Deswegen sind die ständige Selbstreflexion und das aktive Einholen der Meinungen aller beteiligten Interessengruppen die Türöffner für die gemeinsame Weiterentwicklung. Solche Feedback-Phasen sollten von Anfang an eingeplant werden. Sie sollten nicht als werbewirksame Nebensache, sondern als Erfolgskriterium betrachtet werden.

Quelle: http://www.flexible-unternehmen.de/wissen/wm_24.htm)
 
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