Home  Thema  Projekte  Reorganisation  WeReo-Infobriefe



WeReo-Infobriefe

Die Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs: Das Beurteilungsverfahren

Die Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs wird in KMU häufig sträflich vernachlässigt: Entweder wird der Bedarf überhaupt nicht erhoben oder die Erhebung ist weder strategisch noch systematisch. Maßnahmen werden zum Beispiel danach ausgewählt, ob spontan das Fehlen einer Qualifikation festgestellt wird oder ob ein Mitarbeiter mit einem exklusiven Seminar „belohnt” werden soll. Dabei ist die Erhebung des Bedarfs offensichtlich eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Qualifizierungsmaß-nahme; denn: wird der Bedarf gründlich ermittelt, kann die Maßnahme zielgerichtet ausgewählt und durchgeführt werden und verspricht Unternehmen und Mitarbeiter einen maximalen Nutzen. Unsystematische Bildung führt hingegen oftmals in eine Sackgasse: Qualifizierungsmaßnahmen ohne Bedarfsermittlung und Transfersiche-rung führen zu unbefriedigenden Ergebnissen, die häufig einen Abbau der Weiterbildung nach sich ziehen.

Um den Qualifizierungsbedarf systematisch und detailliert zu erfassen, gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte. Eine Möglichkeit ist das Einsetzen von Beurteilungsverfahren. Über welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Mitarbeiter zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügt, steht bei diesem Verfahren im Vordergrund. Es wird die gegenwärtige Qualifikation – der Ist-Zustand – analysiert.

Drei Beispiele für Beurteilungsverfahren sind:

1. Gespräch zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem: In regelmäßigen zeitlichen Abständen besprechen Mitarbeiter und Vorgesetzter den vergangenen Arbeitszeitraum und stellen fest, inwieweit die vereinbarten Ziele erreicht wurden und wie diese Leistung zu bewerten ist. Dazu kann der Vorgesetzte den Mitarbeiter zunächst schriftlich beurteilen, um dann gemeinsam mit ihm über diese Beurteilung zu sprechen. Eine andere Möglich ist es, den Mit-arbeiter sich selbst beurteilen zu lassen, um dann diese Beurteilung mit der Be-urteilung durch den Vorgesetzten in einem Gespräch zu vergleichen. Dabei soll ein Konsens gefunden werden.

2. Beobachten des Mitarbeiters am Arbeitsplatz: Das Verhalten des Mitarbeiters am Arbeitsplatz wird beobachtet durch Vorge-setzte, Kollegen, Untergebene, Experten, Kunden etc., um Informationen über vorhandene oder nicht vorhandene Qualifikationen zu erlangen. Die Verfahren und der Grad der Strukturiertheit können unterschiedlich sein.

3. Durchführen von Tests: Diese Tests sind strukturierte Verfahren zum Feststellen bestimmter Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, wie zum Beispiel Kenntnisprüfungen, IntelligenzNeus, aber auch Arbeitsproben.

Problematisch kann bei diesem Verfahren sein, dass häufig nur gegenwärtige bzw. vergangene Faktoren in die Beurteilung einfließen, zukunftsweisende Faktoren jedoch außer Acht gelassen werden. Deshalb ist es sinnvoll, das Beurteilungsverfahren durch eine gleichzeitige Analyse des Potentials zu ergänzen, durch die Frage: über welche noch nicht genutzten Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt ein Mitarbeiter? Wie könnten diese sinnvoll im Unternehmen eingesetzt werden?
 
zurück