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WeReo-Infobriefe

Standortsicherung durch Reorganisation und Qualifizierung: Ein Praxisbeispiel


Der nachfolgende Bericht beschreibt ein Reorganisationsvorhaben am Beispiel eines mittelständischen Kunststoffzulieferbetriebes aus Baden-Württemberg. Das Unternehmen war existentiell bedroht, da mehrere Schlüsselkunden die Anzahl ihrer Zulieferer entsprechend dem "Single Sourcing"-Konzept um mehr als die Hälfte reduzieren wollten. Das Reorganisationsvorhaben begann damit, dass alle Verantwortlichen in einem Diskussionsprozess eine gemeinsame Unternehmensvision bildeten, die als Kernaussage eine Antwort auf die Bedrohung geben sollte: "Wir müssen der First-Class-Zulieferer in unserem Produktionsbereich für unsere Kunden sein. So können wir durch die Verdichtungsstrategie gewinnen."

Um ein First-Class-Zulieferer zu werden, ist die Produktion erstklassiger Qualität erforderlich. Daher wurde als Erstes damit begonnen, Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe permanent kritisch zu hinterfragen. Positiver Nebeneffekt war in diesem Zusammenhang die Zertifizierung nach ISO 9001ff.. Da neben der vorbildlichen Organisation auch der Einsatz modernster Technik als notwendige Voraussetzung für die Produktion erstklassiger Qualität angesehen wurde, wurde eine zukunftsorientierte Investition in Richtung High Tech-Produktion getätigt. Auch hier gab es einen günstigen Nebeneffekt: Die Belegschaft wertete die hohe Investitionssumme als positives Vertrauenssignal für die Zukunft des Unternehmens.

Hauptfokus der Maßnahmen lag jedoch auf den Mitarbeitern. Ziel war es hier, eine Vertrauensorganisation zu schaffen, indem die Anweisungskultur von oben nach unten durch einen gleichberechtigten Kommunikationsaustausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ersetzt wird. Bildungsziel waren dementsprechend vor allem die Optimierung der sozialen Kompetenz bei den Führungskräften aufgrund deren Vorbildfunktion. Mit dieser Zielgruppe wurde über einen Zeitraum von vier Monaten vier Workshops durchgeführt.

Im ersten Workshop sind zunächst Spieregeln für den Umgang miteinander als verbindliche Basis für alle Mitarbeiter vereinbart worden. Anschließend arbeiteten die Führungskräfte die gegenseitigen Erwartungen sowie den Zufriedenheitsgrad mit diesen Erwartungen heraus. Bei größeren Differenzen wurden die Hintergründe diskutiert, und am Ende des Workshops wurde ein Maßnahmenplan zur Verbesserung der kritischen Punkte verabschiedet und Verantwortliche benannt.

Themen des zweiten Workshops waren zum einen Erfahrungsberichte über die Umsetzung der Spielregeln. Anschließend trugen die Verantwortlichen die Fortschrittsberichte zum Maßnahmenkatalog vor. Nach kurzer Diskussion bestimmten die Teilnehmer den Zielerreichungsgrad und einigten sich auf die weitere Vorgehensweise.

Mittelpunkt des dritten Workshops war die Einführung der Philosophie eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Hier sollte vermittelt werden, dass der Schlüsselfaktor für den Erfolg der eigenverantwortlich agierende Mitarbeiter als Mitunternehmer darstellt.

Themen des vierten Workshop waren "Fallstricke menschlicher Kommunikation", die Erarbeitung von Feedbackregeln und die praxisnahe Einübung einer Moderatorenrolle.

Eine weiterer zentraler Bestandteil zur Einführung einer Vertrauensorganisation war die umfassende und verständliche Information der Mitarbeiter über die Geschehnisse im Unternehmen. Hier wurde ein Mitarbeitervorschlag aufgegriffen und eine quartalsweise erscheinende Informationsbroschüre ins Leben gerufen, die über Kunden, Märkte und Unternehmensinterna informiert.

Die Erfolge des Reorganisationsvorhabens waren deutlich erkennbar. So konnte zum Beispiel der Umsatz um fünfzehn Prozent gesteigert werden, wohingegen sich die Beanstandungsquote innerhalb desselben Jahres halbierte. Darüber hinaus verminderte sich der Krankenstand von zwölf auf unter fünf Prozent, und drei Großkunden haben ihr Engagement auf das Unternehmen konzentriert. Aufgrund dieser positiven Geschäftsentwicklung erhielten alle Beschäftigten einen Sonderbonus.

Quelle: Deser, F. (1998). Wachstum durch High Tech und Human Capital. Personalwirtschaft, 11, 32-35.

 
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