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WeReo-Infobriefe

Arbeitsplatzerhalt durch Reorganisation der Arbeitsstrukturen - ein Praxisbeispiel

Bei Auftragsrückgang ist Personalabbau nicht immer zwingend notwendig. Manchmal können durch Reorganisation der Arbeitsstrukturen Arbeitsplätze erhalten bleiben. Dies zeigt das Beispiel eines in Stuttgart ansässigen, mittelständischen Unternehmens.

Dieses Unternehmen führt im Fertigungsbereich traditionsgemäß zwei Aufgaben durch: das Montieren von Baugruppen, wie Pumpen- und Filtereinheiten für Baustellen, sowie der Zusammenbau von Behältern, Spritzkabinen und Trocknern für das Lackieren von PKW-Karosserien. Aufgrund von Auftragsrückgängen im Lackieranlaganbau sowie dem Preisverfall der hergestellten Produkte durch Überkapazitäten und durch Billiganbieter aus den osteuropäischen Staaten beabsichtigte das Unternehmen, den gesamten Fertigungsbereich an dem Standort Stuttgart einzustellen.

Um wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten, wurde auf Initiative des Betriebsrates eine Reorganisation in Form einer Neugestaltung der Arbeitsstrukturen in Angriff genommen. Ziel war es, die Abhängigkeit von Unterlieferanten zu reduzieren, Neuentwicklungen durch eigene Kraft besser, schneller und billiger als bisher realisieren zu können und durch Produkte aus der eigenen Fertigung auf Störungen von außen besser reagieren zu können. Außerdem sollte die Veränderung der Arbeitsstrukturen zur besseren Motivation der Mitarbeiter, die seit längerer Zeit mit den Strukturen und Abläufen im Fertigungsbereich unzufrieden waren, beitragen.

Die Arbeitsaufgaben wurden als Teamarbeit neu strukturiert. Die einzelnen Teams, deren Größe je nach Umfang der anstehenden Aufträge zwischen drei und sieben Mitarbeitern variiert, erledigen die Aufträge von der Warenannahme bis zur Montage. Wöchentlich werden kurze Teamsitzungen abgehalten, in denen der Arbeitsablauf besprochen wird.

Da die neue Arbeitsform große Flexibilität seitens der Mitarbeiter voraussetzt, wurde in mehreren Workshops der Qualifizierungsbedarf ermittelt und in einem Bündel an Qualifizierungsmaßnahmen angegangen. Die Qualifizierungen richteten sich einerseits an alle Mitarbeiter (Bildschirmbedienung, Produktschulung) und andererseits an die Teamsprecher (Zeitmanagement, Führung und Motivation). Parallel dazu wurden monatliche Qualitätszirkel installiert, in denen über - Fehler und Schwachstellen in konkreten Aufträgen - Schnelle Lösungsmöglichkeiten - Verbesserungsmöglichkeiten von Qualitätskontrolle, Logistik, Materialfluß und Arbeitsablauf und - bessere Arbeitsplatzgestaltung gesprochen wurde.

In weniger als einem halben Jahr zeigten sich die Erfolge: Die Arbeitsabläufe waren sehr viel transparenter als vorher, und auf Störungen konnte besser und schneller reagiert werden. Die Mitarbeiter identifizierten sich stärker mit ihrer viel interessanter gewordenen Tätigkeit, vor allem deswegen, weil sie an der Neugestaltung der Arbeitsabläufe aktiv mitgearbeitet haben.

Das Ziel, zumindest einen Teil der Fertigung zu erhalten, wurde erreicht: von ursprünglich 80 Arbeitsplätzen konnte durch die Reorganisation immerhin die Hälfte gesichert werden.

(Quelle: Gruppenarbeit - Chancen für den Maschinenbau, hrsg. von VDW, VDMA und IGM)
 
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