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WeReo-Infobriefe

Wie Meister betriebliche Veränderungsprozesse „meistern”: Die neue Rolle der mittleren Führungsebene


Bei der Durchführung von Reorganisationsprozessen muss der mittleren Führungsebene viel mehr Beachtung geschenkt werden, um den nachhaltigen Erfolg der Maßnahmen zu sichern. Dies ist das Fazit, das der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens im Siegerland, das Gruppenarbeit eingeführt hat, rückblickend zieht.

In der Tat scheint es so zu sein, dass zwar viele Betriebe die Bedeutung der Meister für ihr Unternehmen erkennen, diese in Veränderungs- und Umbruchphasen aber „ins kalte Wasser werfen”. Die Meister als die klassischen Vertreter der mittleren Führungsebene erhalten allenfalls ein paar kurzfristig angesetzte Qualifizierungen, die ihnen ihre neue Rolle nahe bringen sollen.

Dabei lösen Reorganisationsmaßnahmen, die oft mit einer Verflachung betrieblicher Hierarchien und der Erweiterung von Kompetenzen unterer Hierarchieebenen einher gehen, gerade bei den Meistern tiefe Verunsicherung und Existenzängste aus.

Durch die Einführung von Gruppenarbeit werden ehemals klassische Aufgabenbereiche des Meisters nach unten delegiert, wie zum Beispiel die Feinsteuerung des Produktionsprozesses, die Maschinenbelegung, die Arbeitseinteilung, die Urlaubs- und Schichtplanung und die Qualitätskontrolle. Der Wandel von einem Kontrolleur zum Betreuer und Förderer von Arbeitsgruppen mit dem Ziel, dass diese zum verlässlichen, eigenverantwortlichen und selbstkontrollierenden Kooperationspartner für ihn und andere werden, kann nur langfristig vollzogen werden. Die Meister müssen lernen, Vertrauen in die Arbeitsgruppe zu haben, angemessen zu kontrollieren, Kontrolle als Feedback-Instrument zu verstehen, die Eigenständigkeit der Gruppen zielorientiert zu fördern und strukturelle Verbesserungsmaßnahmen wie KVP einzuleiten. In Bezug auf die Mitarbeiter seines Bereiches nimmt er sozusagen die Funktion eines „Personalentwicklers” und im gesamtbetrieblichen Kontext die Rolle eines Promotors für Organisationsentwicklung ein.

Bei diesem Transformationsprozess müssen die Meister von Beginn an mit einbezogen werden, sei es, wenn es um die Neudefinition der eigenen Rolle geht, sei es bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen oder der Ermittlung des eigenen Qualifizierungsbedarfs. Das Zusammenspiel sowohl mit den Arbeitsgruppen, Gruppensprechern, und Vorgesetzten sollte immer wieder gemeinsam reflektiert werden; nur so kann ein vertrauensvolles Klima und ein Hineinwachsen in neue Rollen und Verhaltensweisen praxisnah umgesetzt werden.

Qualifizierungen und individuelle prozessbegleitende Hilfe zur Selbsthilfe wie Coaching können die Meister beim Ausfüllen ihrer neuen Schnittstellenfunktion unterstützen.

Wichtig ist aber, die Meister nicht isoliert zu „entwickeln”, sondern sämtliche Maßnahmen als Teil einer betrieblichen Organisationsentwicklung aufzufassen. Das bedeutet, dass die Rahmenbedingungen insgesamt in den Blick geraten. Damit die neue Rolle auch in der Praxis gelebt werden kann, müssen zum Beispiel die Kommunikations- und Informationsflüsse zwischen Management und Gruppen bzw. zwischen Gruppensituation und Produktionsvorgaben sichergestellt werden.
 
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